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Schutzbereich der Stadtfeuerwehr Weiz

Krisenintervention

 

Im Leitbild der Feuerwehr Weiz wurde im Jahre 2000 festgelegt, die Kameraden und Kameradinnen in der Einsatzvorbereitungsphase auch psychologisch zu schulen. Das Ziel dieser Entscheidung ist, den Feuerwehrmänner und -frauen zu helfen mit den seelischen Belastungen der Notfallsituationen zurecht zu kommen und keine nachhaltigen Schäden aus dem Erlebten zu erleiden.

Aus diesem Grund arbeitet die Stadtfeuerwehr Weiz seit 1998 mit Frau Mag. Mara Zangl zusammen. In ihren Seminaren werden die Einsatzkräfte auf belastende Einsatzsituationen vorbereitet. Weiters werden auch traumatische Einsatzerfahrungen nachbesprochen bzw. aufgearbeitet, um den Kameraden Begleitung bzw. Unterstützung in extrem belastenden Notfallsituationen zu bieten.


Bericht von Mara Zangl

… Nach 30 Jahren träume ich noch immer von diesem Einsatz damals, im Graben …

… Das Gefühl, wie das ist, über eine verkohlte Leiche zu steigen, werde ich wohl nie mehr loswerden …

… Wissen Sie, wie das ist, die letzten Sekunden eines Menschenlebens bei einem Unfall, daneben meistens auch noch die geschockten Angehörigen? Manche von ihnen drehen regelrecht durch …

Diese und andere Originalzitate stammen von erfahrenen Feuerwehrleuten, die tagtäglich rund um die Uhr bereit sind, ihr Leben zurückzustellen, um das von anderen Menschen zu retten. Feuerwehrleute, die ihren Alltag, ihre Arbeitsstätten und Familien verlassen und sich in akute Gefahrensituationen begeben, in denen sie mit Eindrücken konfrontiert werden, die sie dann, wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückgekehrt, unsichtbar, jedoch nicht unspürbar, mit im Gepäck haben…

Welche Reaktionen können bei plötzlich belastenden Ereignissen auftreten?

  • Körperliche Reaktionen wie Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Appetitlosigkeit usw.
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Intensive Angst
  • Hilflosigkeit
  • Aggressionen
  • Schuldgefühle
  • Starke Trauer
  • Heftige Stimmungsschwankungen
  • Gespielte Gleichgültigkeit
  • Mitleiden mit den Betroffenen
  • Betonte Fröhlichkeit oder Schweigsamkeit
  • „Flashbacks“ ( plötzlich aufkommende Bilder, die uns wieder mitten ins Geschehen holen)

In solchen Fällen ist Hilfe für Helfer/Innen angesagt, denn Stressreaktionen dieser Art können abgebaut werden, wenn wir uns gezielt damit befassen.

Aufbauend auf Kommunikations- und Konfliktlösungsseminare sowie Workshops zur Strukturierung der Jugendarbeit haben wir daher im Herbst 2002 mit einer Workshopreihe zum Thema Einsatzaufbereitung begonnen.

Ziele:

  • Verminderung der akuten Belastung
  • Vermeidung von Folgebeschwerden
  • Emotionale Stabilisierung
  • Schulung von AnsprechpartnerInnen für Krisensituationen
  • Vervollkommnung der menschlichen Einsatzbereitschaft

Themen und Inhalte:

  • Leben der persönlichen Betroffenheit
  • Verarbeitung traumatischer Eindrücke
  • Stress und Stressbewältigung in eigenen Systemen
  • Auseinandersetzung mit Tod und Sterben
  • Das Gespräch mit den Angehörigen
  • Spezielle Notfälle und der Umgang damit
  • Das lösungsorientierte Beratungsgespräch
  • Standortbestimmung und Aufbau einer Notfallsorganisation

Zukunftsperspektiven:

  • Bildung von Stressmanagementteams für Notfälle
  • Schulung in Mentalem Training (als Vorbereitung für Extremsituationen, zur Aufarbeitung von belastenden Einsätzen, als Unterstützung bei allen Einsätzen)
  • Spezialisierung von einzelnen Vertrauenspersonen als AnsprechpartnerInnen zur Einsatzanalyse und Selbstreflexion
  • Ortsübergreifende Arbeitskreise, Diskussionsforen und Selbsthilfegruppen
  • Stressschulung von Angehörigen
  • Vernetzung mit Beratungsstellen
  • Thema Brandstiftung: Wie können wir damit umgehen?

Hilfsbereitschaft geht Hand in Hand mit der Bereitschaft, sich selbst helfen zu lassen.

Dies setzt nicht nur Offenheit im Umgang mit persönlicher Betroffenheit voraus, sondern auch die Fähigkeit, sich ein- und loszulassen.

So kann es gelingen, als Mensch Einsätze zu erleben statt sie zu absolvieren und gemeinsam mit Maschinen bloß zu funktionieren.

Feuerwehrmänner und -frauen aus dem Bezirk Weiz schaffen in diesem Sinne gerade die Basis für die Gewährleistung einer menschlichen Wehr auch in unserer Zukunft.

Mara Zangl


 

Zur Person Mara Zangl

Jg. 1967, Lehramt für Sonderschulen und AusländerInnenpädagogik, Studium der Pädagogik, Psychologie und Frauenforschung an der KF-Universität Graz, Diplomierte systemische Lebens- und Sozialberaterin, Aus- und Fortbildungen in verschiedenen Körperarbeitsmethoden.

Lehrtätigkeit im In- und Ausland, Seminare und Workshops mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (Kommunikation, Konfliktlösung, Selbsterfahrung, Körperarbeit, Heil- und Ganzwerdung), Einzel-, Paar- und Gruppenberatung. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt: Energetische Therapie, Integrative Therapie